Winkler, Friedrich H. (1888 – 1965 )


dt. Kunsthistoriker, Zeichner und Museumsdirektor

* 5.3.1888 in Prehna, Deutschland
23.2.1965 in Berlin, Deutschland

Biographie:

"Kunst ist nicht zuletzt eine beispielhafte Selbstgestaltung des Ich" – [1] Friedrich Horst Winkler und sein Leben für die Kunst

Friedrich Horst Winkler wurde am 5. März 1888 in Prehna als Sohn Horst Michael Johannes Winklers und Anna Hulda Erzoldts (Winkler), auf deren Hof geboren. Die Intelligenz des (einem altthüringischen Bauerngeschlecht entstammenden) Jungen wurde bald erkannt und nach der Absolvierung eines Realgymnasiums studierte er in Wien, Berlin sowie später in Freiburg Kunstgeschichte. An der Universität in Freiburg reichte er schließlich 1912 bei Wilhelm von Vöge seine Dissertation zu "Der Meister von Flemalle und Rogier van der Weyden" ein und zeigte mit dieser Arbeit für sein Alter beeindruckendes Kunstverständnis.[2]

Bereits im darauffolgenden Jahr editierte er das berühmte Künstler-Lexikon von Ulrich Thieme und  Felix Becker, zu dem er 34 Artikel beitrug. Seine Tätigkeit als Volontär in der Gemäldegalerie "Alte Meister" in Dresden wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges unterbrochen. Winkler wurde einberufen und entwickelte während seiner Zeit in der Armee zahlreiche Neurosen. [3]

1915 erfolgte seine Erlösung vom Heeresdienst durch Wilhelm von Bode, der ihn zum Leiter der Zentralbibliothek machte. Während dieser Tätigkeit arbeitete er an der Vervollständigung des Verzeichnisses der Albrecht Dürer Zeichnungen im catalogue raisonné, mit dem Friedrich Lippmann 1883 begonnen hatte. Dabei entstand eine Faszination für das Werk Dürers, die für den Rest seines Lebens bestehen blieb. [4]

Nach dem Tod Elfried Bocks übernahm er dessen Position als Leiter des Berliner Kupferstichkabinetts, einer der großen graphischen Sammlungen Europas, und erwarb für dieses unter anderem zahlreiche Einzelwerke, wie die altdeutschen Zeichnungen der Göttinger Sammlung Ehlers sowie Werke Altdorfers, Grünewalds, Holbeins und Dürers.[5] Winkler übte dieses Amt bis zu seiner Pensionierung aus, hielt aber nach dem 2. Weltkrieg auch Vorlesungen an der Humboldt- Universität in Ost-Berlin und an der Freien Universität in West-Berlin. [6]

Seine Begeisterung für das Schaffen Dürers und seine Errungenschaften für die Forschung führten zur Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft und anlässlich seines siebzigsten Geburtstags erhielt Winkler das Verdienstkreuz ersten Ranges der Bundesrepublik Deutschland. [7]

Am 23. Februar 1965 erlag er im Krankenhaus den Folgen eines Herzinfarktes. Der damals 77-Jährige trug als bedeutendster Kenner der altniederländischen Malerei, neben Max Friedländer, mit dem er in Berlin zeitweise zusammengearbeitet hatte, durch seine Kenntnisse der "Dürer- Epoche enorm zur Erweiterung des Wissensstandes in der Kunst bei. Der große Verehrer Dürers entschlummerte friedlich, nachdem er kurz zuvor ein Gutachten über dessen Meisterstich "Ritter, Tod und Teufel" verfasst hatte. Mit Friedrich Horst Winklers Tod findet, so Hans Möhle, das "Goldene Zeitalter deutscher Museumsgeschichte" sein Ende. [8]

 

Quellenangaben:

[1] Winkler, Friedrich: Albrecht Dürer: Leben und Werk, Gebrüder Mann, Berlin, 1957. S. vi.
[2]/[4]/[6]/[8] Möhle, Hans: Friedrich Winkler, 5. März 1888-23. Februar 1965, Jahrbuch der Berliner Museen
7. Bd., H. 1 , Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1965, S. 6
[5] Möhle, Hans: Das Berliner Kupferstichkabinett. Boston De Gruyter, Berlin. S.6
[3]/[7] Sorensen, Lee: Winkler, Friedrich In: Dictionary of Art Historians (website). http://www.arthistorians.info/winklerf. 2019

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