Almásy, Georg ungarischer Zoologe und Ethnograph, Vater des engl. Patienten


Almásy, Georg
Kurz & Kompakt
Beruf:ungarischer Zoologe und Ethnograph, Vater des engl. Patienten
Geburtstag:11.8.1867
Geburtsort:Gornja Lendava
Geburtsland:Slowenien
Sterbedatum:23.9.1933
Sterbeort:Graz
Sterbeland:Österreich
* 11.8.1867 in Gornja Lendava (Slowenien)
23.9.1933 in Graz (Österreich)

Biographie:

Almásy – ein Name, zwei Helden, zahlreiche Mythen

Der Graf von Zsadány und Törökszentmiklós ist wohl nur wenigen bekannt. Auch sein eingedeutschter Kurzname ruft eher fragende Blicke als Aha!-Effekte hervor. Doch Georg Almásy hat Geschichte geschrieben: Vordergründig als Zoologe und Ethnograf; darüber hinaus als Maschinenkonstrukteur und nicht zuletzt als Vater eines weltberühmten Sohnes.

Geburt, Taufe und Namenswahl

Als Almásy am 11. August 1867 zur Welt kam, bewohnten seine Eltern das Schloss Oberlimbach in Gornja Lendava, einer kleinen Gemeinde im Hügelland von Goricko. Das Gebäude gilt heute als größte Anlage ihrer Art in ganz Slowenien und erinnert seine zahlreichen Besucher stolz an das später so bedeutsame Ereignis von Almásys Geburt. [1]

Bei der Taufe am 16. August folgten die Eltern der traditionellen Formel aus Eigen-, Vater- und Familienname, woraus sich die vollständige Bezeichnung György Eduard Almásy Graf von Zsadány und Törökszentmiklós ergab. [2]

Im Verlauf seines weiteren Lebens sorgten die ungarischen Ortsnamen immer wieder für Verständigungsprobleme. Der Adelsrang aber blieb Almásys Gesprächspartnern im Gedächtnis. Daher verkürzten sie seinen Titel auf den eigentlichen Nachnamen und deutschten György auf Georg ein.

Ausbildung, Interessen und Persönlichkeit

Trotz seines ausgesprochenen Hangs zu Naturwissenschaften nahm Almásy ein eher klassisches Studium auf. Die Hochschul-Ausbildung zum Juristen beendete er am 24. März 1983 an der Universität Graz.

Parallel dazu ging er verstärkt persönlichen Interessen nach: Ein befreundeter Ornithologe erteilte ihm Unterricht in der Kunst, Tiere zu beobachten. Die Privat-Stunden befähigten Almásy zu einer umfangreichen Vogelbalg-Sammlung, die sich heute im Besitz des Münchner "Museums Mensch und Natur" befindet. Sie besticht nicht nur durch ihren Umfang und die sorgfältige Beschriftung – sondern vor allem durch ihre Existenz. Die Beherrschung, die Almásy beim Beobachten so scheuer Tiere hatte aufbringen müssen, steht im schreienden Gegensatz zu seinem Charakter: Zeitgenossen schilderten ihn als unausgeglichene, launische Person mit überschäumendem Temperament. [3]

Inwiefern das interessant ist, belegt der Verlauf von Almásys weiterem Leben.

Verstimmung, Streit und Zerwürfnisse

Nach einer Forschungsreise in die westungarischen Gebiete um Diósjeno und Temeskubin kam Almásy in die engere Wahl, Leiter der Königlichen Ornithologischen Zentrale zu werden. Seine Vorstellungen vom Führen der Einrichtung kollidierten jedoch stark mit den Plänen des bisherigen Amtsinhabers. Statt den Disput sachlich auszutragen und nach Kompromissen zu suchen, lehnte Almásy die Arbeit in der Zentrale komplett ab. [4]

Ein ähnliches Verhalten zeigte er gegenüber dem Ministerium für Kultur und Unterricht. Von dort hatte man ihm den Auftrag erteilt, die Brutkolonien europäischer Vögel zu kartografieren. Da die ersten Aufzeichnungen lückenhaft waren, bat ein Mitarbeiter des Ministeriums um Vervollständigung – woraufhin Almásy auch alle anderen Unterlagen vernichtete [4].

Auf später folgenden Forschungsreisen gewann sein zänkischer Grundcharakter ebenfalls immer wieder die Oberhand. Almásy überwarf sich mit insgesamt drei Begleitern bzw. Kollegen, die aus diesem Grund andere Routen wählten oder sich anderen Aufgaben zuwandten [3].

Menschenkenner, Vogelkundler und Autor

Derartige Probleme schien Almásy jedoch nur mit bestimmten Personen-Gruppen zu haben. Im Umgang mit den Einwohnern oder Behörden der Forschungsgebiete erwies er sich häufig als geschickter Vermittler [6]. Dass Verständigung und Einigung seinen eigenen Zielen diente, mag eine nicht unerhebliche Triebfeder gewesen sein – doch oft genug war der sonst so aufbrausende Almásy damit erfolgreich.

Auf allen Reisen, die der Forscher zwischen 1897 und 1906 unternahm, entstanden umfangreiche Aufzeichnungen über einzelne Vogelarten und deren jeweilige Lebensweise. Ein Hauptaugenmerk Almásys galt der Erkundung von Hochgebirgs-Regionen, da sie von Forschern bis dahin stets gemieden worden waren. [3]

Dieser Pioniergeist brachte Almásy neben Krankheiten und Gefahren auch große Anerkennung ein. Er publizierte erfolgreich in Fachmagazinen und Lexika und stand in regem Austausch mit namhaften Kollegen [3]. Die Krönung seiner Laufbahn als Vogelkundler war ein Vortrag beim X. Internationalen Ornithologen Kongress in Budapest – den Almásy jedoch nicht selbst halten konnte [3].

Konstrukteur, Vater und Romanvorlage

Schon während des Ersten Weltkrieges hatte sich der ausgebildete Jurist zunehmend einem völlig anderen Gebiet zugewandt: der Maschinenkonstruktion [3]. Auch in der darauffolgenden Friedenszeit beschäftigte er sich hauptsächlich mit diesem Metier – was seinen jüngsten Sohn so prägte, dass er einen ähnlichen Beruf wählte:

Ladislaus Eduard Almásy leistete seinen Kriegsdienst bei den k.u.k.-Luftfahrtgruppen und studierte danach am Eastbourne Technical Institute in England. Unmittelbar danach arbeitete er für die österreichischen Steyr-Werke und nahm erfolgreich an mehreren Autorennen teil. Darüber hinaus betätigte er sich als Organisator von Jagdreisen und entwickelte sich darüber zu einem Experten der östlichen Sahara.

Seine diesbezüglichen Kenntnisse nutzte Almásy jr. sowohl für Forschungsarbeiten als auch für Schleuser- und Spionagetätigkeiten. [5] Sein Name und seine Vita dienten als Vorlage für die literarische Figur "Der englische Patient". Mit den tatsächlichen Ereignissen im Leben der beiden Almásys haben sie jedoch nur entfernt zu tun.

 

Quellenangaben:

[1] https://ask-enrico.com/schloss-grad
[2] https://gw.geneanet.org/mikeemesser?lang=fr&n=almasy+de+zsadany+et+torok+szent+miklos&oc=0&p=gyorgy
[3] Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band 69, 1966, S.225-283
[4] Aquila. A magyar madártan központi folyóirata. Band 50, 1845, S.75-141
[5] https://www.spiegel.de/geschichte/wuestenforscher-almasy-a-948808.html#featuredEntry